Disney-World oder doch lieber Hurricane Irma?

Aussicht aus unserem Haus am See

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Kapitel 1

Unser neues Haus hat eine schöne Aussicht. Direkt auf einen recht großen (aber künstlichen) See. Man darf auf diesem See allerdings nicht viel tun, weil wir ja im Land der unbegrenzten Un-möglichkeiten leben und man hier – im „Land of the Free“ – so richtig wenig echte Freiheiten genießt.

Zum Beispiel die Freiheit der Entscheidung, ob man nach Disney-World bei Orlando fahren möchte, was (unter normalen Umständen) gerade mal 3,5 Autostunden entfernt ist, oder man doch lieber einen echten Hurricane erleben möchte, der einem mit 200-300 km/h Windgeschwindigkeiten um die Ohren und ins Gesicht bläst.

Wir haben uns mal wieder, mehr oder weniger unfreiwillig, für das Spannendere entschieden. Schließlich war ja Hurricane Sandy in New York auch schon recht interessant gewesen – und in Florida kann man während eines Hurricanes möglicherweise sogar noch echte fliegende Krokodile und Schlangen erleben.

Unser Haus ist nämlich direkt um die Ecke von den Everglades. Für den Fall, dass die jemand nicht kennt. Es handelt sich dabei um eine riesige Sumpflandlandschaft, die auch unter der neuen amerikanischen Präsidentenparodie Donald, immer noch unter Naturschutz steht.

Wenn ich um die Ecke sage, meine ich das tatsächlich wörtlich. Unsere sehr schöne Wohnanlage, in der wir uns jetzt mal zur Abwechslung niedergelassen haben, findet man, indem man am schönen Atlantikstrand stehend, ungefähr so lange ins Landesinnere fährt, bis man von einem Alligator liebevoll gebissen oder einer Python herzhaft erwürgt wird. Für erlegte Pythons gibt es mittlerweile sogar eine Kopfgeldprämie. Das wäre doch vielleicht eine gute Freizeit-Beschäftigung für unsere drei Kinder… 😉

Viele andere Lebewesen erfreuen zusätzlich das Herz jedes floridianischen Hausbesitzers, wie z.B. Ameisen oder Wespen, Termiten oder Moskitos. Auch Racoons (Waschbären) oder Spinnen sind hier eine willkommene Abwechslung zur sonst eher eintönigen und absolut flachen Landschaft.

Dafür ist das Wetter wirklich echt total super und die acht Tennisplätze, in unserer Anlage, sind ein entscheidender Hinweis darauf, warum wir hier gelandet sind. Die ausführlichen und echten Gründe werde ich in einem anderen Kapitel beleuchten.

In unserer Tennisanlage
In unserer Tennis- und Gemeinschaftsanlage

In jedem Fall lebten wir jetzt immerhin schon zwei Monate in unserem Haus mit kleinem eigenen Swimmingpool und R-I-E-S-E-N-Pool im Gemeinschaftsbereich, größer als die meisten Schwimmbäder in Deutschland und im Vergleich dazu immer so gut wie leergefegt oder eher leergefischt. Plus Beach-Volleyball, Basketball, einem der schönsten Fitnessräume mit direkter Seesicht und weiteren angenehmen Annehmlichkeiten. Eigentlich gar nicht mal so schlecht.

Dass es in Florida manchmal Stürme geben sollte, hatten wir schon mitbekommen, aber Hurricane Matthew war letztes Jahr einfach an uns vorbeigezogen, obwohl sie schon überall kräftig Werbung für den Landfall (das ist ein englisches Wort für das es keine richtig gute deutsche Übersetzung gibt) gemacht hatten. Aber Matthew wollte offensichtlich keinen Ärger in Miami und blies deshalb einfach so an uns vorbei.

Dabei hatten wir doch zusammen mit Millionen anderen Miamiranern so engagiert um genügend Dosenfutter-Verpflegung für ganze 5 Tage gekämpft. Zumindest war das die damalige offizielle Empfehlung. Eine 5-Tagesration für jedes Familienmitglied, bestehend aus einer Gallone Wasser pro Tag und Person mal fünf – plus ½ Gallone Wasser pro Tag und Haustier.

Wer das jetzt nicht so schnell im Kopf ausrechnen kann. Das sind 5 (Personen) mal 5 (Tage) mal 3,8 Liter Wasser für unsere Familie. Mit eingerechneter Perser-Katze Sheila in jedem Fall ganz locker über 100 Liter sturmfestes Wasser.

Dummerweise kaufen aber die Menschen hier das Wasser, bei einem herannahenden Hurricane, bevor es überhaupt in den Läden ankommt – und so steht man entweder vor leeren Regalen, in extrem langen Schlangen (bestehend aus Menschen, nicht die aus den Everglades) oder ganz früh morgens vor den entsprechenden Geschäften. Die Regale sind dann aber schon leergefegt und das Wasser für die Massen wird rationiert direkt aus dem Lager verteilt. Die Wasser-Menge, die man jetzt kaufen darf, ist logischerweise auch so gering, dass man ungefähr 10 Mal an diesem spaßbringenden und zeitverschlingenden Spektakel teilnehmen müsste, um genügend trinkbare Flüssigkeit von der Jagd nach Hause zu bringen. Was schon deshalb nicht geht, weil die Vorwarnzeit für einen Hurricane nur ca. 5 Tage beträgt.

Wenn man zusätzlich nicht auch noch unverderbliches Essen einkaufen müsste, oder Sandsäcke wegen der möglichen Überschwemmungsgefahr besorgen, oder aber einfach nur sein Auto volltanken wollte. Was übrigens auch so ein richtiges DDR-Vergnügen ist!

Sandsäcke waren auch schon aus!

Wo genau sind wir jetzt noch mal gelandet? Im Land der 1000-Autos-die-hintereinander-auf-Benzin warten, das aber dann, garantiert kurz bevor man dran kommt, ausverkauft ist. Okay, man kann auch vor der Tankstelle übernachten oder sich diverse Apps aufs Handy herunterladen, die einem mitteilen wo gerade eine halbe Tankfüllung Benzin zum doppelten bis dreifachen Preis zu ergattern ist.

Ohne Gas kann man kein Gas geben

Ja, so ist das eben mit dem Kapitalismus. Steigt die Hurricane-Gefahr steigt die monetäre Gier aller, die etwas Notwendiges zu verkaufen haben ins Unendliche. – Tatsächlich gibt es sogar ein Gesetz gegen Wucher bei Naturkatastrophen, aber in Miami hält sich daran eigentlich fast niemand.

Irgendwann hat man dann aber irgendwie alles zusammen und fühlt sich wie ein Neandertaler, der anstatt einem saftigen Stück Fleisch immerhin ein paar Beeren mit nach Hause gebracht hat. Da ich ja Vegetarier bin, würde ich so oder so nur Beeren mitbringen! 😉

Mit größtmöglicher Sicherheit kann ich jedem dieses vor-Hurricane-liche Erlebnis als horizonterweiternde Maßnahme empfehlen. Man wird dadurch wieder ganz bescheiden und freut sich so richtig, wenn man irgendwo noch ein paar grüne Bananen oder aufgerissene Nudelpackungen erwerben kann – und das alles im Land der unbegrenzten… ach was weiß ich.

Leere Wasser-Regale machen durstig

Hat man endlich die Verpflegung besorgt, geht es darum das Haus Hurricane-sicher zu machen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten so etwas zu tun. Zum einen könnte man deutsche Doppelglas-Fenster in die Wohnungen und Häuser einbauen, was aber aus Gründen der verkaufstechnischen und kapitalistischen Gewinnmaximierung in der Regel nicht gemacht wird. Wackelige amerikanische Einfachverglasung tut es doch auch… Vielleicht deshalb weil so eine durchsichtige Glasscheibe kein sooo tolles Statussymbol wie ein beeindruckender deutscher Audi, BMW oder Mercedes darstellt. D.h. lieber an den Fenstern sparen, dafür aber Mercedes fahren. Jaja, im Kommunismus gibt es möglicherweise auch keine besseren Fensterscheiben.

Insofern haben viele Wohnungen und Häuser als Windschutz – rings um die Pappendeckel-Fenster – „schicke“ Aufhängungen für die verschiedensten Metallvorhänge… die allerdings nicht ganz so schön wie die in deutschen Gefängnissen sind. Sie sind nämlich undurchsichtig und massiv. D.h. nachdem man alle Shutter, so heißen die Teile, angebracht hat, sieht man von dem schönen Wetter draußen gar nichts mehr und man macht einfach ganz viel Licht drinnen an, weil immerhin der Strom hier nicht so teuer wie in Deutschland ist. Dass das an den Atomkraftwerken liegt, will ich jetzt hier lieber nicht erwähnen, weil in Florida ja auch so selten die Sonne scheint und es deshalb verhältnismäßig blödsinnig wäre Solaranlagen zu installieren. Hinzu kommt dass der Governor, also der Kaiser von Florida, genau so wenig an den Klimawandel glaubt, wie der amerikanische Ober-Hofnarr, auch Präsident genannt.

Ich beim Anbringen der Hurricane-Shutter

Macht ja nichts. Solange man noch was in Strom umwandeln kann, was dann tausend Jahre lang freundlich weiter strahlt, ist alles amerikanisch superpositiv und „so wonderful“.

Unser Haus wurde jetzt also in eine Festung verwandelt und nun stellte sich die wesentliche und wichtige Frage: „Da bleiben oder doch lieber das Weite suchen?“. Natürlich ist der Grundsatz „better safe than sorry“ („besser sicher als Entschuldigung“ – oder so ähnlich) nicht von der Hand zu weisen, aber ein Nachbar hatte uns erzählt, dass unsere Häuser hier sehr sicher seien, weil amerikanisch untypisch, ordentlich gebaut und die Wände nicht nur aus Pappe und ein wenig Holz bestehen würden.

Bis jetzt hatten wir in fünf Jahren USA zwei Hurricanes miterlebt. Bei Sandy in New York waren wir geflüchtet, weil wir evakuiert wurden, aber waren dadurch in größere Gefahr gekommen, wie wenn wir einfach zu Hause geblieben wären.

Bei Matthew im letzten Jahr hatten wir erlebt, wie die TV-Sender immer noch von einer großen Gefahr für Miami gesprochen hatten, als der Sturm auf den Radar-Bildern, die natürlich nicht im TV gezeigt wurden, schon drei Stunden vorher an uns vorbeigezogen war. Das machen die Sender mal wieder vollkommen uneigennützig, weil sie dann einfach mehr Zuschauer haben und ihre Werbung für mehr Millionen-Dollars an den Mann und die Frau bringen können. Bad news are good news – zumindest für die Werbeeinnahmen.

Wir entschieden uns deshalb dieses mal zu bleiben, in unserem Haus am See mit den Orangenblättern, der schönen Frau und den 20 Kindern… frei nach Peter, dem alten Fuchs.

Außerdem… keiner soll mir irgendwann später erzählen können, dass ich nichts erlebt habe – in meinem stürmischen Leben.

Und Irma kam jetzt immer näher. Die Bilder im TV sahen nicht wirklich so schön aus als Irma über diverse Karibik-Inseln hinweg zog. Wir litten mit den armen Menschen dort und hofften aber, dass unser Haus wirklich deutlich besser gebaut war. Noch hatten wir Strom und spielten mit den Kindern Monopoly.

Wir wohnen da wo der blaue Punkt ist
Monopoly macht auch bei Hurricanes gute Laune

Zweifel hatten wir trotzdem schon lange bevor der richtige Wind kam und der (Atom-)Strom dann einfach so ausging. Nach und nach waren nämlich immer mehr Freunde und Bekannte nach Norden geflohen. Nach und nach wurden außerdem für immer mehr Gegenden Zwangsevakuierungen ausgesprochen, die allerdings nicht mit Polizeigewalt umgesetzt wurden. Unsere Wohnanlage und die Umgegend war aber nur in den Status „freiwillige Evakuierung“ versetzt worden.

Wir zögerten die Entscheidung, ob wir doch noch in den Norden gehen sollten, solange hinaus, bis es zeitlich einfach keinen Sinn mehr machte. Wir hatten von Plünderungen gehört, nachdem die Menschen ihre Häuser verlassen hatten und stellten uns auch die Staus auf den Highways, leer gekaufte Tankstellen mit Autoschlangen und Supermärkte voll mit unendlichen Menschenmassen auf dem unendlich langen Weg nach Norden vor. Keine so richtig spannende Idee, dachten wir.

Dann war ja auch nicht sicher, wo der Sturm genau entlang ziehen würde. Einige waren sogar nur 4 Stunden nach Norden geflohen, in die Nähe von Orlando, das jetzt mittlerweile direkt vom Hurricane getroffen werden sollte. Alle paar Stunden gab es neue Updates – und die einzig richtige und zuverlässige Vorhersage kam natürlich nicht aus den USA. Weil dort für die Klima- und Wetterforschung so oder so kein Geld mehr ausgegeben werden muss, wie uns der Antiwissenschaftler mit 50% deutscher Abstammung laufend „weiß“ machen möchte. Schwarz mag er ja nicht so sehr, heißt es… (Ich meine mal wieder den Herrn Trump, für alle, die nicht wissen, dass die Hälfte seiner Familie aus der weintrinkenden Pfalz stammt.)

Die einzig vernünftige Vorhersage kam also aus Europa, wo immer noch Dichter und Denker und Wissenschafter bzw. Meteorologen leben. Aber das kann man am Anfang natürlich nicht wissen und wenn der Wind immer stärker wird – und die wunderschönen Metallvorhänge immer stärker rütteln und dabei noch eine Tornado-Warnung nach der anderen gemeldet wird, vergeht einem irgendwie der ganze Spaß.

Direkt nach der ersten Tornado-Warnung hatten wir uns alle in einem relativ kleinen Bereich des Hauses versammelt, wo wir glaubten am wenigsten von einbrechenden Fenstern oder Wänden verletzt werden zu können. Dass das alles gar nicht mal so entspannt war, kann man sich vielleicht auch als Leser aus Deutschland vorstellen. Hinzu kommt, dass in den USA jede Regierungsbehörde Zugriff auf das Handy seiner Bürger hat und schrille angstmachende Alarmtöne sendet, sobald ein zusätzlicher Tornado irgendwo möglicherweise entstehen könnte. Vor dem geistigen Auge sieht man dann schon Teile des Hauses davonfliegen und vielleicht auch das eine oder andere Kind, das mal wieder seine Suppe nicht aufessen wollte.

Sheila, unsere Katze, war die Einzige, die amüsanterweise relativ entspannt war. Vorsichtshalber hatten wir sie aber angeleint, für den Fall einer plötzlichen Windabsaugung.

Irma wütete eine ganze unendlich lange Nacht – und es war schon zu Beginn wirklich beängstigend, bei wenig Akkulicht und tosendem Lärm, kaltes Essen, Nudeln mit Guacamole, hinunterwürgen zu müssen. (Kris (meine Frau) sagt gerade, dass das sehr lecker war). Die Kinder hatten sichtbare und hörbare Ängste und den Eltern ging es auch nicht viel besser. Trotzdem konnten wir alle später sogar schlafen, weil wir einfach so erschöpft waren, dass das Sandmännchen uns erfolgreich und ohne Probleme Krokodilkacke ins Auge streuen konnte…

Am nächsten Morgen stürmte es jedoch kein bisschen weniger und immer wieder ging mein Puls hoch, wenn der Wind gerade so stark an unserem Haus rüttelte, dass ich mir alles Mögliche und Unmögliche vorstellen konnte. Wenn man zu viele Actionfilme gesehen hat, ist das aber vollkommen normal, sagt mein Psychiater…

Irgendwann gingen Kris und ich dann sogar vor die – recht windgeschützte – Haustür, weil wir es in unserer total blinden, überhitzten und stickigen Burg, ohne jede Ahnung was draußen passierte, nicht mehr aushielten.

Der Wind und Regen waren heftigst und trieben uns schnell wieder ins Haus zurück. Die umgestürzten Bäume und die Strasse, voll mit allem möglichen Müll und Baumresten, hatten natürlich keine so ganz positive Laune in uns hervor gerufen. Außerdem, wie schon gesagt, unser Haus liegt am See und es bestand auch immer noch die Gefahr der Überschwemmung. Glücklicherweise hatte aber jemand mitgedacht und den Seepegel vorher schon ca. einen Meter tiefer gepumpt, was bei der Größe ziemlich gigantische amerikanische Pumpen erfordern muss. Die fünf rationierten Sandsäcke, die wir nach ewigem Warten am Tag vor dem Sturm ergattern konnten, hätten eine Jahrhundertflut möglicherweise auch nur sehr schwer aufgehalten.

Der Wind- und Regen-Spuk begann ja am Samstagabend und man kann sich die Erleichterung vielleicht vorstellen, als der Wind am Sonntagabend ENDLICH langsam nachließ. Fast so schön wie nachlassende Zahnschmerzen, wenn man weiß, dass man später trotzdem noch zum Zahnarzt oder vor die Haustür muss.

Wenigstens war da jetzt die Ruhe nach dem nervenzerreibenden Sturm.

In unserem Haus wurde es mittlerweile zwar immer wärmer und stickiger, der Kühlschrank tropfte und das dritte Mal vorgekochte Nudeln zu essen, hob unsere familientechnische Laune auch nicht so richtig, dafür aber der nachlassende Wind. Trotzdem war er immer noch zu heftig um im Dunkeln, alle Straßenlaternen waren ja ebenfalls ausgefallen, vors Haus zu gehen. So warteten wir eben, ganz entspannt…, bis zum nächsten Morgen.

OMG! – Spricht man „Ou Em Tschi“ – und bedeutet „Oh my gosh!“ oder auch auch „Oh my god!“, was man aber in Amerika nicht mehr sagt, weil sich davon religiöse Menschen in ihrer Entfaltung irgendwelcher Art eingeschränkt fühlen könnten.

Unsere Wisteria-Lane, eigentlich die Straße aus Desperate Housewives, war übersäht mit allem was nicht niet und nagelfest war. Und damit war mal wieder bewiesen, dass wir Menschen auch nur etwas größere Ameisen sind, die gegen die Gewalten der Natur nur wenig ausrichten können. Dafür haben wir aber immerhin Häusern mit Metallvorhängen…

Unser Dach hatte deutlich gelitten und auf einer Seite eine ganze Reihe Ziegel verloren. Unser kleiner Pool war so voll mit Blättern, das er komplett grün war. Wir hatten aber keine umgestürzten Bäume auf dem Grundstück oder komplett zerstörte Zäune. (Fast) alle Häuser in unserer „gated community“ haben einen weißen Zaun um das Grundstück. Hier geht es nicht, wie in Deutschland, darum anzuzeigen, wem was gehört, sondern um das Fernhalten von größeren Tieren aus den Everglades. Einige dieser Zäune waren vom Wind einfach umgedrückt worden. Unserer stand aber noch.

Die Aufräumarbeiten begannen natürlich sofort. So wie das bei Ameisen in Ameisenhausen eben üblich ist.

Allerdings hatten wir immer noch keinen Strom. Wie schon erwähnt in Florida eine wirklich unschöne Sache, weil es hier in der Regel ziemlich heiß und schwül ist und man es wenigstens in der Nacht etwas kühler haben möchte. Die Sachen im Kühlschrank waren auch kurz davor nicht mehr genießbar zu sein. Das Vanille-Eis hatten wir mittlerweile schon als Eissuppe genossen. In den USA kann so ein Strom-Ausfall schon mal wochenlang dauern, wie wir gehört hatten. Nur wenn man in der Nähe einer Schule, eines Krankenhauses oder einer Polizeistation wohnt, kommt der Atom-Strom glücklicherweise etwas schneller zurück.

Nach qualvollen zweieinhalb Tagen war es dann doch soweit – und plötzlich ging unser Licht, der Kühlschrank und sogar die AC (Klimaanlage) wieder an.

Nicht jedoch der Handy-Empfang, der nur extrem sporadisch zur Verfügung stand. An Internet-Surfen war weder auf dem Handy noch auf dem Computer zu denken. Manchmal konnten wir aber immerhin eine WhatsApp-Nachricht schreiben und Familie und Freunde in Deutschland und sonst wo informieren. Schon cool diese moderne Technik, wenn sie denn funktioniert.

Während ich diese Zeilen hier schrieb, d.h. 4 Tage nach dem Sturm, hatten wir aber immer noch kein Internet. Und sowas geht ja heutzutage gar nicht. Wie soll man denn bitte ohne Internet überleben?
Die Straßenlaternen und Ampeln funktionierten auch immer noch an sehr vielen Stellen nicht und umgestürzte Bäume waren auch noch überall zu sehen. In vielen Gegenden musste das Wasser abgekocht werden, weil durch den Sturm Kolibakterien ins Trinkwasser geraten waren. Aber das ist hier öfter mal so. Daran haben wir uns schon gewöhnt.

Hey, das war jetzt unser dritter Hurricane – und auch den haben wir überlebt! Demnächst lass ich mir für jeden Sturm eine Anstecknadel machen, dann sehe ich wenigstens mal wieder richtig wichtig aus… 😉

Quentin auf dem Tennisplatz am Tag danach
Umgestürzte Bäume vor dem Tennisplatz
Palmen kann der Wind angeblich nichts anhaben…
Anjella, Quentin und Rafael bei der Kinder(fischer)-Arbeit
Direkt vor unserer Haustür!

PS: Zur Erklärung – Gated communities, wie die, in der wir wohnen, haben übrigens meistens einen Wachservice, ein Clubhouse und eine Schranke (mit zusätzlichen Toren, aus nur Amerikanern verständlichen Sicherheitsgründen), damit keine ungebetenen Gäste den Pool leer fischen. Wenn aber ein Hurricane kommt, flüchten leider zuerst die Wachleute, die sich ja logischerweise auch in Sicherheit bringen müssen. Die nehmen dann leider auch die Schranke und Tore mit, damit auch jeder Plünderer wieder leichter zum Erfolg kommt. Nein, natürlich nicht! Sondern damit man bei Stromausfall immer noch flüchten oder davon schwimmen kann. – Um uns zu besuchen benötigt man übrigens einen Code für diese Schranke, den eigentlich so oder so die ganze Stadt kennt. Bei Bedarf bitte einfach jemanden auf der Strasse fragen…

PSPS: Die Freunde, die in den Norden geflüchtet waren, mit ein paar hunderttausend Anderen, angeblich die größte Evakuierung aller Zeiten, benötigten für eine – unter normalen Umständen – 10 Stunden Heimfahrt „nur“ volle zwei Tage. In der Zeit konnten wir immerhin viel sinnvollere Dinge tun, wie beispielsweise Tennis spielen oder auf das Internet warten… 😉

Ende von Kapitel 1


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2 Kommentar

  1. Das Buch nie wieder New York war wirklich spannend, und ich habe es in einem Rutsch gelesen – das hat schon lange kein Buch mehr geschafft. Den Aufbau fand ich auch gut – ich frage mich nur, warum gibt es das nicht auf englisch? Ich stelle mir gerade den Titel vor – New York – never again – das würden doch vermutlich auch ein oder zwei New Yorker lesen? Es hat ja auch schon ein anderer Autor aus Europa geschafft mit seiner Sicht der Dinge auf die NYT Bestseller Liste zu kommen – „What they teach you at Harvard business school“ von Philip Delves Broughton. – Bin gespannt darauf wie es in Miami ist.

  2. Lieber Wolfgang!
    Ich freue mich schon „extremst“ 😉 auf Deine Miami-Geschichten, da Miami ja meine auserkorene Lieblings-Stadt ist, die ich jeden Winter heimsuchen muss! Schön, daß Ihr den Hurricane auch relativ glimpflich überstanden habt; ich war auch ständig am TV und froh von meinen Freunden aus Miami und Tampa zu hören!
    Grüße aus der Oberpfalz

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